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    <title>Ivo Gabrowitsch</title>
    <description>RSS Feed for Ivo Gabrowitsch</description>
    <pubDate>Fri, 10 Jul 2026 17:18:06 +0000</pubDate>
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    <author>ivo@ivo.berlin (Ivo Gabrowitsch)</author>
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      <title>Interview im ‚Nachdruck‘</title>
      <description><![CDATA[Interview im ‚Nachdruck‘]]></description>
      <pubDate>Thu, 09 Jul 2026 00:15:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><body>
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        <h1>Interview im ‚Nachdruck‘</h1>
            <h2 class="app-headline__subhead">Ein Gespräch über Schrift, Haltung und Gestaltung</h2>
    </div>    <main class="app-main">
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    <p>Kaum, dass ich meinen Lehrauftrag für <em>Typografie</em> an der <a href="https://www.bht-berlin.de">Berliner Hochschule für Technik</a> angenommen habe, befragten mich Studierende des Studiengangs <a href="https://www.bht-berlin.de/b-dmp">Digitale Medien und Print</a> für ein Magazin namens <em>Nachdruck</em> zum Thema. Das Magazin wurde von den Studentinnen und Studenten selbst konzipiert, gestaltet und geschrieben. Leider wurde es bislang nicht gedruckt. Mit freundlicher Genehmigung von <em>Inga Biesel,</em> die mir die Fragen stellte, darf ich das leicht gekürzte Interview stattdessen an dieser Stelle veröffentlichen. Vielleicht erlaubt es einen kleinen Blick auf meine typografische Sichtweise.</p>
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        <h3>Worin besteht für Sie die besondere Faszination an Typografie, was macht Schrift für Sie im Design so zentral?</h3>
    </div>        </section>
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    <p>Obwohl die wenigsten Menschen darüber nachdenken, nutzen alle Schrift und Typografie – über den ganzen Tag hinweg, denn wir lesen und schreiben ständig.&nbsp; Dank der technischen Geräte, die wir mit uns tragen, sogar noch häufiger und aktiver als jemals zuvor. Dabei besitzt Typografie die Fähigkeit, Inhalte besser oder schlechter zu vermitteln. Egal welche Art von Text – ob Bücher, Banking-App, Bahnfahrpläne, Notifications, Wegweiser, Plakate –, sie alle sollen gelesen werden. Manchmal unter erschwerten Bedingungen, wenn beispielsweise wenig Zeit vorhanden ist oder Sichtverhältnisse beeinträchtigt sind. Wenn wir also wissen, dass das Lesen mit guter Typografie besser gelingt, warum erfährt sie dann so oft keine Wertschätzung? Diese Frage fasziniert mich. Für mich ist gute Typografie daher so etwas wie eine Superkraft. Eine Superkraft, die man erlernen kann. Grafik-, User-Interface-, Editorial-Design – sie alle profitieren von dieser Power.</p>
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    <blockquote>
        <div class="app-quote__text">
            <strong>Für mich ist gute Typografie so etwas wie eine Superkraft. Eine Superkraft, die man erlernen kann.</strong>
                </blockquote>
</div>

        </section>
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    <p>Hinzu kommt die Fähigkeit von Schrift, ein bestimmtes Gefühl hervorzurufen – eine Anmutung, eine Wirkung, eine atmosphärische Botschaft oder gar die Markenwerte eines Unternehmens. Ich bezeichne Schriften daher als „Soundtrack“ einer Information. Auch auf den achtet man beim Betrachten eines Filmes nicht bewusst, aber er verstärkt die beabsichtigte Wirkung oder atmosphärische Botschaft einer Szene.&nbsp;</p>
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        <h3>Wie hat sich diese Leidenschaft im Laufe Ihrer Laufbahn entwickelt?</h3>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Angekündigt hatte sich mein Interesse an Schrift und Typografie mit dem Kauf meines ersten Computers kurz nach der Etablierung des Internets. Mit dem HTML-Editor <em>Netscape Composer</em> bastelte ich einfache Websites. Ich war nachhaltig beeindruckt von diesen neuen kreativen Möglichkeiten. Die Leidenschaft dafür entwickelte sich dann während meiner Ausbildung zum <em>Mediengestalter für Digital- und Printmedien</em>. Dort kam ich das erste Mal mit professionellen Fonts und Designs in Berührung. Seitdem tauchte ich immer tiefer in das nahezu unerschöpfliche Thema ein, neben der Ausbildung vor allem autodidaktisch mit Hilfe von Büchern, Blogs und Tutorials. Als ich für mein anschließendes Studium nach Berlin zog und hier auf zahlreiche Protagonisten der Branche traf, bekam meine Leidenschaft zusätzlich einen menschlichen Bezug. Ich kam mit inspirierenden Personen in Kontakt und verstand, dass auch meine berufliche Zukunft mit Buchstaben zu tun haben musste.</p><p>Es gab bislang keinen Tag, an dem mich das Thema langweilte. Im Gegenteil, ich entdecke noch immer neue Aspekte und sehe die Bedeutung von Schrift und Typografie weiterhin wachsen.</p>
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            <strong>Ich sehe die Bedeutung von Schrift und Typografie weiterhin wachsen.</strong>
                </blockquote>
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            <div class="app-content app-ugc app-headline">
        <h3>Mit Ihrem Unternehmen <em>Fontwerk</em> bringen Sie regelmäßig neue Schriften auf den Markt. Warum? Es gibt doch schon so viele gute Schriften.</h3>
    </div>        </section>
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    <p>Absolut! Aber es ist auch schon über alles geschrieben worden und trotzdem werden täglich hunderte neue Bücher veröffentlicht. </p><p>Ich habe mal überschlagen: mit meiner Musiksammlung könnte ich etwa ein Vierteljahr ununterbrochen Musik hören. Selbst wenn ich nach drei schlaflosen Monaten wieder von vorn beginnen würde, würde ich die Musik erneut gerne hören wollen. Trotzdem suche ich nach musikalischen Neuentdeckungen und freue mich, wenn ich meine Sammlung um neue Songs, Artists oder gar Genres erweitern kann.&nbsp;</p><p>Mit Schriften verhält es sich ebenso. Designerinnen und Designer sind ständig auf der Suche nach neuen, unverbrauchten Fonts, zumal sich auch Trends und technische Anforderungen ändern. Diese Entwicklungen aktiv zu begleiten, motiviert mich enorm.</p>
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        <h3>Welche aktuellen Trends in der Typografie beobachten Sie, insbesondere im Hinblick auf variable Fonts und den digitalen Wandel?</h3>
    </div>        </section>
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    <p>Ich sehe vor allem einen Trend zu großen Schriftfamilien. Zum einen sprachlich: eine vollumfängliche europäisch-lateinische Sprachunterstützung ist mittlerweile Minimalstandard. Kyrillische und griechische Zeichen stellen ebenfalls keine allzu Besonderheit mehr dar. Zusätzlich wächst in Zeiten der Globalisierung der Wunsch nach afrikanisch-lateinischen Zeichensätzen oder gar arabischen, hebräischen und asiatischen Alphabeten. Gerade letzteres ist ob des enormen Zeichenumfangs für Anwender und Hersteller eine große Herausforderung.&nbsp;</p><p>Zum anderen werden Schriftfamilien auch stilistisch umfangreicher: wo früher wenige Schriftschnitte genügten, sind heute Gewichte von Hairline bis ExtraBlack gefragt. Ob das dann in jedem Fall so sinnvoll angewendet werden kann, steht auf einem anderen Blatt.</p><p>Spannender finde ich den Trend hin zu optischen Größen. Das sind Schriften mit Varianten, welche geringe formale Unterschiede aufweisen, um sich ideal verschiedenen Anwendungszwecken anzupassen.&nbsp;</p><p>Optische Größen waren im Bleisatz gang und gebe, in der digitalen Welt drängt das Thema erst seit ein paar Jahren wieder in den Vordergrund. Die <a href="https://fontwerk.com/de/text/case-nice-text-berliner-hochschule-fuer-technik">Hausschrift der BHT</a>, die <a href="https://fontwerk.com/fonts/case-collection"><em>Case</em></a>, besitzt beispielsweise drei optische Größen: <em>Case Micro</em> für Konsultationsgrößen (z. B. in Fußnoten oder Bildunterschriften), <em>Case Text</em> für Lesegrößen (fortlaufender Text, z. B. in Korrespondenzen oder Magazinen) und die „normale“ <em>Case</em> für Schaugrößen (z. B. Überschriften oder Wortmarken). Das kann gerade in responsiven Umfeldern in Kombination mit variablen Fonts ganz sinnvoll sein, wenn beispielsweise eine Website, die auf einem Smartphone gelesen wird, eine andere optische Größe anzeigt als auf einem riesigen Display. Das Beispiel BHT zeigt dabei auch, dass dieses nüchterne Feature auf ungewohnte Weise inspirieren kann: so wird die Case Micro hier gern mal für Überschriften auf der Website und Flyern oder auf großformatigen Bannern an Gebäuden verwendet.</p>
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            <div class="app-content app-ugc app-headline">
        <h3>Was macht für Sie „gute“ Typografie aus – und was ist für Sie ein typischer Gestaltungsfehler?</h3>
    </div>        </section>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Diese Frage hoffe ich, im Rahmen meines Kurses beantworten zu können. In aller Regel will gute Typografie die Leserlichkeit optimieren. Leserlichkeit bedeutet, wie gut oder schlecht können Informationen objektiv aufgenommen bzw. entziffert werden. Es geht dabei um das Wahrnehmen, Erkennen und Unterscheiden von einzelnen Zeichen, Buchstaben und Wörtern. Es gibt eine Unmenge an Einflussfaktoren, nach der DIN 1450, die beschreibt, wie Schriften leserlich dargestellt werden, genaugenommen 37!&nbsp;</p><p>Um mal einen typischen, absolut vermeidbaren Gestaltungsfehler zu nennen und da ich ihn wiederholt beim Besuch eines Handballspiels gesehen habe, als ich versucht habe, die Sponsorenlogos auf den Trikots der Spielerinnen zu entziffern: falsche Schriftgröße. Was beim Gestalten am Bildschirm noch riesig wirkt, ist in einer schlecht beleuchteten Sporthalle aus Reihe 5 schon nicht mehr zu erkennen. So ein Sponsoring ist teuer, warum verzichtet man dann so leichtfertig auf den gewünschten Werbeeffekt?</p>
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        <h3>Typografie kann Haltung, Werte und Identität transportieren – gerade im Branding. Wie bewusst setzen Sie Schrift als Träger von Markenwerten ein?</h3>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Das tun wir vor allem, wenn wir für unsere Auftraggeberinnen und Auftraggeber <a href="https://fontwerk.com/services">exklusive Schriften im Auftrag</a> gestalten. Dann setzen wir uns in einem Workshop mit den relevanten Abteilungen des Unternehmens oder der Marke zusammen und besprechen deren Markenwerte (Beispiel: <a href="https://fontwerk.com/de/text/custom-fonts-ruv-type">R+V</a>). Wir stellen so sicher, dass wir und die Verantwortlichen des Unternehmens die selbe Vorstellung davon haben, was die Markenwerte tatsächlich bedeuten. Ausgehend davon übersetzen wir das in Designkriterien, nach denen wir die Schrift entwickeln. So werden beispielsweise aus einem Markenwert „begeisternd“ die Designkriterien „dynamisch, ausdrucksstark, persönlich“ und die zu schaffende Schrift schon klarer vorstellbar, mit den weiteren Markenwerten immer klarer. Das können wir während des Prozesses sowohl intern als auch gegenüber dem Auftraggeber immer wieder miteinander abgleichen und so sicherstellen, dass die Schrift am Ende die Markenwerte bestmöglich, wenngleich natürlich subtil repräsentiert.</p>
</div>        </section>
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            <div class="app-content app-ugc app-headline">
        <h3>Gibt es ein Projekt oder eine Marke, welche für Sie beispielhaft zeigt, was Typografie kann?</h3>
    </div>        </section>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Anhand des Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung kann man eindrücklich sehen, welchen Unterschied Typografie machen kann. Das von CDU, CSU und SPD seinerzeit veröffentlichte 146-seitige Papier machte praktisch alles falsch, was man falsch machen konnte. Leselust Fehlanzeige (siehe <a href="https://www.koalitionsvertrag2025.de">koalitionsvertrag2025.de</a>). Das wiederum veranlasste Journalist und Medienmacher Oliver Wurm mit einem von Prof. Sabine Cole geführten Team von Design-Studierenden dazu, den Koalitionsvertrag nach grundlegenden Regeln der Typografie und des Kommunikationsdesigns als Magazin zu gestalten und zu veröffentlichen (siehe <a href="https://www.derkoalitionsvertrag.de">derkoalitionsvertrag.de</a>). Das muss man sich mal vorstellen. Am Ende haben Leute für das Lesen dieses langen, inhaltlich dichten Dokumentes 12€ bezahlt – allein der guten typografischen Gestaltung wegen.</p><p>Ein ganz frisches Beispiel dafür, was Schrift leisten kann, ist unser Semi-Custom-Font-Projekt für die Suchmaschine DuckDuckGo. Semi-Custom-Fonts nennen wir bestehende Retail-Schriften aus unserem Katalog, die auf individuelle Wünsche der Auftraggeberinnen und Auftraggeber hin angepasst werden. Suchmaschinen sehen ziemlich gleich aus. Im Browser tut sich eine weitestgehend weiße Seite auf, was das Branding über Farbe, abgesehen vom Logo, nahezu ausschließt. Das Branding über den zweiten visuellen Markenbaustein, Form, ist hier unmöglich. Ein Bildschirm bleibt ein Bildschirm, ein Browser ein Browser. Marken haben hier, im Gegensatz z. B. zu Printmedien, keine Möglichkeit, eigene Akzente zu setzen. Es bleibt also nur noch die Schrift. Und die von uns gezeichnete <a href="https://fontwerk.com/fonts/pangea-collection"><em>Pangea</em></a><em>,</em> die wir zur <a href="https://fontwerk.com/de/text/semi-custom-font-for-duckduckgo"><em>Duck Sans</em></a> modifiziert haben, schafft hier meiner Meinung nach den Spagat perfekt, so vertraut zu sein, dass sie sich nicht ablenkend in den Vordergrund drängt und dabei dennoch anders und eigenständig wirkt, dass sie unterbewusst auffällt und Wiedererkennbarkeit erzeugt.</p>
</div>        </section>
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            <div class="app-content app-ugc app-headline">
        <h3>Was war der schönste oder überraschendste Moment, den Sie mit einem Fontwerk-Projekt erlebt haben?</h3>
    </div>        </section>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Da gibt es so viele schöne und spannende Anekdoten, aber der schönste und gleichzeitig überraschendste Moment ist immer dann, wenn man selbst auf die eigenen Schriften in freier Wildbahn trifft. Das kann in einem Klamottenladen in Slowenien sein, im Social-Media-Feed, auf einer Krankenstation in der Charité, überall plakatiert in der eigenen Stadt für eine Kampagne, in einem Buchladen in Thüringen oder beim gemütlichen Fernsehabend auf der Couch.&nbsp;</p>
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            <div class="app-content app-ugc app-headline">
        <h3>Wo sehen Sie, auch durch die Digitalisierung, neue Möglichkeiten oder Herausforderungen für das typografische Gestalten?</h3>
    </div>        </section>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Gerade im digitalen Umfeld gibt es noch viel Nachholbedarf. So zwingt die <em>Wikipedia</em> beispielsweise ihren Redakteurinnen und Redakteuren teilweise falsche mikrotypografische Zeichen und Praktiken auf (z. B. überlange Zeilen, falsche Apostrophe und Anführungszeichen). Die Möglichkeiten, auf einer Website oder App Worttrennungen typografisch und orthografisch korrekt darzustellen, sind noch immer nicht mit einfachen Mitteln gegeben, so dass hier der Spaß am Lesen verloren gehen kann. Das Bewusstsein dafür scheint noch nicht ausreichend vorhanden zu sein, denn das ist ja nun wahrlich keine überkomplexe Angelegenheit.</p><p>Meine These dazu ist, dass Design an sich – von der Typografie ganz zu schweigen – einen größeren gesellschaftlichen Stellenwert bekommen und bereits in der Schule thematisiert werden müsste. Das hätte auch positive Auswirkungen auf andere Lebensbereiche wie Produktdesign, Landschaftsgestaltung oder Architektur, wo auch nicht immer nur Fortschritt zu verzeichnen ist, um es mal vorsichtig zu formulieren.</p>
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        <h3>Welchen Rat oder Tipp würden Sie Studierenden mitgeben, die sich intensiver mit Typografie beschäftigen möchten?</h3>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Sie könnten natürlich meinen Kurs belegen. Sie könnten aber auch ein gutes Fachbuch zur Hand nehmen. Aktuell empfehle ich unter anderem: Sabrina Öttl „<a href="https://typografie.de/produkt/der-erste-eindruck-zaehlt/">Der erste Eindruck zählt!</a>“, Antonia M. Cornelius „<a href="https://typografie.de/produkt/cornelius-buchstaben-im-kopf/">Buchstaben im Kopf</a>“, Jason Santa Maria „<a href="https://dpunkt.de/produkt/webtypografie/">Webtypografie</a>“,  oder Martin Mosch „<a href="https://typografie.de/produkt/die-typografische-komposition/">Die typografische Komposition</a>“. Das englischsprachige Buch „Flexible Typesetting“ von Tim Brown gibt es unter <a href="https://flexibletypesetting.com">flexibletypesetting.com</a> als kostenloses eBook und unter <a href="https://leserlich.info">leserlich.info</a> und <a href="https://typefacts.com">typefacts.com</a> kann man sich guter Typografie mit teils interaktiven Elementen nähern.</p>
</div>        </section>
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            <a href="https://ivo.berlin/blog?tag=interview" class="app-button">Interview</a>
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</p></p>]]></content:encoded>
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    <item>
      <title>Haselnusslimonade</title>
      <description><![CDATA[Haselnusslimonade]]></description>
      <pubDate>Thu, 11 Jun 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><body>
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        <h1>Haselnusslimonade</h1>
    </div>    <main class="app-main">
                                                                <section
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Ich stehe an einem Imbiss.</p><p>Ich, durstig: „Eine Haselnusslimonade bitte.“<br>Verkäuferin: „Gern. Nehmen Sie doch auch diese drei Stückchen Rhabarberkuchen.“<br>Bevor ich antworten kann, drückt sie mir Brause und Kuchen in die Hand. Um ein Herunterfallen des Rhabarberkuchens zu vermeiden, hefte ich mir das gekrümelte Massaker direkt an die Kauleiste.<br>Verkäuferin: „Das macht 98,60€.“<br>Ich, durchaus überrascht: „Achtundmeumpfichsechzich?“<br>Verkäuferin: „Ja, 98,60.“<br>Ich, den Bissen schnell und zu früh herunterschluckend: „Rechnen Sie doch bitte noch einmal nach.“<br>Verkäuferin rechnet nach: „Es bleibt bei 98,60, sorry.“<br>Ich, verärgert: „Pfff …“<br>Verkäuferin: „Tja, Haselnusslimonade halt.“</p><p>Nun frage ich mich, was hat dieser Traum zu bedeuten? </p><p>Ist da Potenzial? Wird Haselnusslimonade die neue Dubai-Schokolade? Sollte ich in Schalenobstgetränke machen?</p>
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</p></p>]]></content:encoded>
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      <title>Mein Bücherjahr 2025</title>
      <description><![CDATA[Mein Bücherjahr 2025]]></description>
      <pubDate>Mon, 04 May 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><body>
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        <h1>Mein Bücherjahr 2025</h1>
            <h2 class="app-headline__subhead">Handverlesene literarische Bestenliste</h2>
    </div>    <main class="app-main">
                                                                <section
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Zum dritten Mal <a href="/@/page/7tjoxduhodufsuzz">in</a> <a href="/@/page/utcxmloclov4uab2">Folge</a> lasse ich mein Jahr in Büchern Revue passieren. </p><p>In meiner aktuellen Lebensphase lese ich eine angenehme Mischung aus Neuerscheinungen, Klassikern und älterer Belletristik sowie Sachbüchern. Da ich mich bereits im Vorfeld mit dem jeweiligen Titel auseinandersetze, bin ich selten enttäuscht. Dennoch werde ich natürlich hin und wieder überrascht. Aber lest selbst …</p>
</div>        </section>
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<ul><li>★★★★★ 🏆 Julia Peglow „<a href="https://typografie.de/produkt/wir-internetkinder/">Wir Internetkinder</a>“ — Mein Buch des Jahres war eine solche Überraschung. Dieses intelligente, reflektierte, zuweilen philosophische Buch zur digitalen Transformation ist grandios. Auch wenn faszinierende Gedanken wie dieser einen gesellschaftlichen Abgesang vermuten lassen: „Wir haben aus den Augen verloren, an was wir früher geglaubt haben: an Design als eine Sichtweise, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Als ein demokratisches Instrument, ein Mittel zur Bildung und Vermittlung von Informationen, das Orientierung stiftet – und Sinn“, geht es <a href="https://www.juliapeglow.com">Julia Peglow</a> um nicht weniger als die Gestaltung der Zukunft. Dass zudem das Gebäude (und mitunter das Unternehmen) in der Kreuzberger Bergmannstraße, in dem ich die zehn prägendsten Jahre meines Berufslebens verbrachte, eine zentrale Rolle spielt, ist die berühmte Kirsche auf der Torte. Wie vom <em>Hermann-Schmidt-Verlag</em> gewohnt, bedient sich das Buch auch noch in den obersten typografischen und drucktechnischen Regalen (Flexcover mit silberner Prägung, durchgehend in drei Sonderfarben gedruckt). „Wir Internetkinder“ ist ein Muss für Kreative meiner und nachfolgender Generationen, für alle anderen ein uneingeschränkter Tipp.</li><li>★★★★★ Rudolf Naujock „<a href="https://www.rudolfnaujok.de">Brücke am Kanal</a>“ — Eine bildhaft schöne Beschreibung teils beschwerlicher Jahre des jungen Autors Rudolf Naujock, der sich in den Sechzigern seiner Jugend im Memelland erinnert – ohne, dass das Manuskript veröffentlicht wurde. Das wurde nun durch seinen Sohn Herwarth Naujok&nbsp;unter Mithilfe von Jürgen Siebert im Selbstverlag nachgeholt. Einerseits schade, dass solch ein lehrreiches Buch deutscher Geschichte und schlichtweg schönes Stück Literatur in Eigeninitiative veröffentlicht werden muss, andererseits fantastisch, dass es so überhaupt noch das Licht der Welt erblickt. Thematisch in Teilen ähnlich dem später beschriebenen Grass, aber weniger mariniert und daher diesem vorzuziehen. Ich möchte genau so schreiben können.</li><li>★★★★★ Thomas Fischer, Sebastian Werner „<a href="https://www.ekshop.de/buecher/eisenbahn-geschichte/Eisenbahnchronik-Mansfelder-Land.html">Eisenbahnchronik Mansfelder Land</a>“ — Ja, es ist soweit. Ich habe ein Buch über Eisenbahnen gelesen. Und ja, ich hatte Spaß dabei! Zugegeben, es ist nicht irgendein Buch zum Thema, es ist ein Buch aus meiner unmittelbaren Heimat, aber nicht nur deshalb eine Empfehlung. Hier wird die Historie der Mansfelder Bergwerksbahn, der Halle-Hettstedter Eisenbahn, der Elektrischen Kleinbahn Mansfeld und der „Wipperliese“ beleuchtet. Die 450 Abbildungen sind bereits das Geld wert, aber auch die Geschichte und Geschichten zu diesen Strecken sind hochspannend, weil sie eng verwoben mit der größeren deutschen Historie sind und die wirtschaftliche und verkehrstechnische Bedeutung der Region beleuchten. Kurzum, ich bereue nichts. Nächster Halt: Modelleisenbahn.</li><li>★★★★★ Maxie Wander „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Guten_Morgen,_du_Schöne">Guten Morgen Du Schöne</a>“ — Wie dieses Buch die ungeschminkten Lebensrealitäten von Frauen in der DDR und damit dem Leben im Arbeiter- und Bauernstaat wiedergibt, beeindruckt noch heute. Die damit erzählten, in sich abgeschlossenen Geschichten geben zu verstehen, dass dieses bemerkenswerte Stück Interviewliteratur über einen langen Zeitraum so erfolgreich wurde. Bedeutendere deutsche Bücher über Frauen gibt es nur wenige.</li><li>★★★★★ Samantha Harvey „<a href="https://www.dtv.de/buch/umlaufbahnen-28423">Umlaufbahnen</a>“ — Gebannt beobachtet man die Autorin beim Zeichnen eines literarischen Gemäldes – einer ausgedehnten Variation des Kubrikschen 2001-Themas. Während man sich selbst im Weltraum wähnt, passiert nicht viel. Man ist dennoch auf anregende Weise von der Kunst der Wörter fasziniert.</li><li>★★★★★ Thomas Nicolai „<a href="https://www.thomas-nicolai.de/buch">Maulberg</a>“ — Schon beim Lesen des Plots hat mich der Ausgang dieses Experiments interessiert: ein sächsischen Dorf spielt für einen Monat DDR. Und tatsächlich, eben diese Neugierde ist der Sog, der mich innerhalb zweier Tage durch das Buch trug. Die tiefgründig-witzige Lesung des Autors, der ich beiwohnen durfte, macht zudem Lust auf das Hörbuch … allein schon des Sächsischen wegen. </li><li>★★★★★ George Saunders „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bei_Regen_in_einem_Teich_schwimmen">Bei Regen in einem Teich schwimmen</a>“ — Saunders selbst nennt sein Werk einen „gemeinsamen Spaziergang durch […] russische Erzählungen“. Während dieser Wanderung seziert Saunders feinfühlig erzählerische Juwelen der alten Meister Tschechow, Turgenjew, Tolstoi und Gogol und erläutert das Besondere an „Herr und Knecht“, „Die Nase“&nbsp;oder „Auf dem Wagen“. So ein leichtfüßiges Lehrbuch hätte es verdient, Schullektüre zu werden … dann gäbe es wieder mehr Dichter und Denker im Land. Wem die über 500 Seiten zu lang scheinen, darf gern auch nur das letzte Kapitel „Wir kommen zum Schluss “ lesen. Dann verpasst man zwar den wohlschmeckenden Hauptgang, wird aber vom Dessert auch schon satt.</li><li>★★★★☆ Habib Selmi „<a href="https://lenos.ch/buecher/die-frauen-von-al-bassatin">Die Frauen von al-Bassatîn</a>“ — Habib Selmi beschreibt die tunesische Gesellschaft und ihrer Spannungen kurz vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings. Im Fokus stehen dabei vor allem&nbsp; unterschiedliche Frauen, die ihre Rolle in der Gesellschaft suchen. Es ergeben sich interessante Parallelen zu anderen Kulturen und gesellschaftlichen Umbrüchen, beispielsweise des letzten Jahrhunderts in Deutschland. </li><li>★★★★☆ Hans Fallada „<a href="https://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/berliner-abenteuer.html">Berliner Abenteuer</a>“&nbsp; — Dieses Buch kam als Geschenk zu mir, nachdem wir ein Wochenende in Falladas letzter Heimat, Carwitz, verbrachten. Ohne Erwartungen und ohne Ahnung seines Inhalts berührte es mich. Auch ohne das Wissen über Rudolf Ditzens (Falladas richtiger Name) Biografie entfaltet sich eine berührende, weil ehrliche und dabei Zwischen Witz und Beklemmung variierende Beschreibung eines psychisch herausfordernden Lebens. Nebenbei zeichnet er ein hochinteressantes Sittengemälde Berlins der Zeit zwischen den Weltkriegen. </li><li>★★★★☆ Robert B. Cialdini „<a href="https://www.harpercollins.de/products/influence-wie-man-andere-uberzeugt-nutzliche-erkenntnisse-der-psychologie">Influence – Wie man (andere) überzeugt. Nützliche Erkenntnisse der Psychologie</a>“ – Dieses Buch verändert das Leben seiner Leserinnen und Leser, nicht mehr und nicht weniger. Der dicke Wälzer (624 Seiten) ist nicht nur ein Standardwerk der Verkaufspsychologie, sondern jeder Art der Überzeugung im privaten und beruflichen Umfeld. Wenn man sich die hier beschriebenen Prinzipien wie dem Kontrastprinzip, dem Gebot der Gegenseitigkeit oder der Sozialen Bewährtheit zu eigen oder wenigstens bewusst macht, wird man sein Leben erfolgreicher gestalten, zumindest jedoch vielen Fallen aus dem Weg gehen können. </li><li>★★★☆☆ Günter Grass „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Beim_Häuten_der_Zwiebel">Beim Häuten der Zwiebel</a>“ — Nach den ersten 200 Seiten war ich noch zwiegespalten – trotz der irre spannenden Lebensgeschichten mit geradezu unglaublichen Erinnerungen des&nbsp; Nobelpreisträgers zum zweiten Weltkrieg (wovon einige wohl auch fiktiv sein dürften) drängt sich sein Schreibstil zu sehr in den Vordergrund. Sicher, so kunstvoll mit Worten umgehen wie er können Wenige. Aber am Ende will ich dem Inhalt auch folgen können und nicht das vermutlich selbstzufriedene Lächeln des Autors vor Augen sehen. Wen das nicht stört, liest ein Meisterwerk.</li><li>★★★☆☆ <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Scholl-Latour">Peter Scholl-Latour</a> „Zwischen den Fronten“ und “Der Fluch der bösen Tat“ — Man mäandert durchaus beeindruckt, aber eben auch ein wenig ziellos durch, wie Scholl-Latour selbst sagt, „erlebte Weltgeschichte“. Ich hatte eher strukturierte Thesenbücher erhofft, die anekdotisch verwebten Essays verlangen mehr Geduld und Aufmerksamkeit. Dennoch keine Enttäuschung.</li><li>★★☆☆☆ Uwe Timm „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Am_Beispiel_meines_Bruders">Am Beispiel meines Bruders</a>“ — Nach den ersten zwei Seiten erzeugt das Buch bereits eine Gänsehaut. Leider kann es das Versprechen, was es damit gibt, nicht halten und zeigt sich in der Folge eher durchwachsen. Es ist dennoch ein wichtiges Buch, welches als Annäherung, wie so etwas wie der Zweite Weltkrieg, eben am Beispiel einer Familie, überhaupt geschehen konnte. </li><li>★☆☆☆☆ Elfriede Jelinek „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Klavierspielerin">Die Klavierspielerin</a>“ — Dieses Buch lässt mich ratlos, vielleicht sogar verstört zurück. Die Sprache ist beeindruckend gewaltig, der tiefe Blick in drei psychisch kranke Protagonist(inn)en ist aber schwere Kost. Schwere Kost, die ich grundsätzlich bereit bin zu verdauen, sofern sich mir der Sinn erschließt. Tut er aber nicht. </li></ul>
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</p></p>]]></content:encoded>
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      <title>Unser Netz</title>
      <description><![CDATA[Unser Netz]]></description>
      <pubDate>Wed, 15 Apr 2026 21:45:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><body>
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        <h1>Unser Netz</h1>
            <h2 class="app-headline__subhead">Das Versprechen der Nullerjahre</h2>
    </div>    <main class="app-main">
                                                                <section
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p>Social-Media-Posts werden an rund ein Zehntel der Follower eines Accounts ausgespielt. Das ist für Sender und für Empfänger gleichermaßen frustrierend. Man stelle sich ein hundertseitiges Print-Magazin vor, welches seinen Leserinnen und Lesern gestattet, lediglich eine Handvoll Seiten zu betrachten … wobei der Verlag bestimmt, welche. Diese werden mit drei Seiten Werbung vermischt, um sie um unendlich viele Seiten mit Inhalten zu ergänzen, die der Verlag (basierend auf seinen Statistiken) für geeignet hält. Natürlich wieder im Wechsel mit weiteren ganzseitigen Anzeigen. Absurd und doch ‚Normalität‘ in sozialen Medien.</p>
</div>        </section>
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            <div class="app-text app-ugc app-content">
    <p><em>Twitter, Facebook, Instagram</em> &amp; Co. haben unseren Blick zunächst mit ihren verführerischen neuen Möglichkeiten der Zuspitzung und Verknappung, der Likes, Retweets und Kommentare sowie einer nie gekannten Spontanität und Schnelligkeit weg vom freien, ohne Algorithmen funktionierenden Netz gelenkt. Was für ein Spaß! Dabei haben wir viel zu spät den Kollateralschaden bemerkt: die Erschöpfung der Kapazitäten und der Motivation jener Menschen, die Blogs, Foren und persönliche Websites betrieben. Gleichzeitig griff das groteske Gesetz der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Enshittification" title="Verscheißifizierung"><em>Enshittifaction</em></a> der sozialen Medien, also ihrem unvermeidlichen Qualitätseinbruch. Das lässt uns insgeheim spüren, dass uns dort etwas fehlt – nämlich 90% von dem, was uns eigentlich interessiert, während wir via <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Doomscrolling">Doomscrolling</a> mit unendlich viel Sinnlos-Content beschossen werden.</p><p>Wer meiner Generation angehört, erinnert sich vielleicht noch an das Gefühl des Aufbruchs, der Freiheiten und des Beginns eines Kulturen-verbindenden Zeitalters, das mit dem Begriff des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Globales_Dorf">Globalen Dorfes</a> ein so schönes Bild zeichnete. Dieses Dorf ist nun ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Potemkinsches_Dorf">potemkinsches</a>, seine Straßen fügen sich nicht mehr zu einem Netz zusammen (‚Du bist dabei, Instagram/LinkedIn/etc. zu verlassen. Möchtest du fortfahren?‘ JA, MANN! ES IST EIN FUCKING LINK!). Tech-Milliardäre kolonialisieren das Netz und suggerieren, dass dieser Zustand normal und alternativlos ist. Das ist jedoch falsch: die Normalität war das freie, das ‚Open Web‘. Es ist noch immer die Alternative.</p><p>Die Zeit scheint reif, das Versprechen der Nullerjahre einzulösen. Sachte kommen Blogs zurück und sei es in Form persönlicher Newsletter. Das inspiriert mich, da gehe ich mit. Dabei ist mir wie schon <a href="/@/page/vhdun87fiw5w5zo3">1999</a> egal, ob meine Zeilen oder Bilder von einer oder eintausend Personen gelesen oder betrachtet werden. Sie sollen einfach auf die digitale Reise geschickt werden, ohne eine Erwartungshaltung, im festen Glauben jedoch, dass daraus Gutes entsteht. Ohne Statistiken, ohne Likes, ohne Algorithmen.</p><p>Alte Einträge meiner seit 27 Jahren in der einen oder anderen Form existenten Website habe ich gelöscht und nur noch die wenigen erhalten, die dokumentarische Relevanz haben. Ich möchte digital Gedanken teilen, damit sie zu Gesprächen im analogen Leben führen. Ich möchte Erkenntnisse festhalten, die vielleicht bei der Suche nach eigenen helfen können. Ich möchte <a href="/@/page/EgfXk155nyUvqqA1">Fotos zeigen</a>, die aus meinem beständigsten Hobby heraus entstanden sind.</p><p>Aus diesen Gründen blogge ich wieder – in meiner Muttersprache, weil man ohnehin alles mit einem Klick übersetzen lassen kann. Man kann die Seite bookmarken oder den <a href="https://ivo.berlin/rss">RSS-Feed</a> abonnieren. Man kann es auch sein lassen. Noch mehr würde mich freuen, fühlte man sich inspiriert, es mir und vielen anderen gleich zu tun. </p><p>Ein Link ist noch immer etwas Verbindendes. Das Netz ist noch immer ein Netz. Es gehört noch immer uns.</p>
</div>        </section>
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            <a href="https://ivo.berlin/blog?tag=website" class="app-button">Website</a>
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    </div>            </div>
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</p></p>]]></content:encoded>
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      <title>London 2026</title>
      <description><![CDATA[London 2026]]></description>
      <pubDate>Wed, 08 Apr 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><p>Im Frühjahr ergab sich die Gelegenheit, das Mekka der Straßenfotografie zu besuchen. Als überzeugter Festbrennweitennutzer fiel meine Wahl hierfür auf das 35mm F1.4 (Kleinbildformat-Äquivalent von 52mm) und das 18mm F2 (27mm) – der aus meiner Sicht beste Kompromiss aus Gewicht und Flexibilität. Nur manchmal habe ich ein 23er (35mm) vermisst, aber die Möglichkeit, mit diesen beiden Linsen einen größeren Bereich abzudecken, schätze ich aktuell höher ein. Lediglich beim Wachwechsel am Buckingham Palace griff ich kurz auf mein 80mm-Teleobjektiv (122mm) zurück, welches ich an diesem Tag vorsorglich als dritte Alternative mitgeführt hatte.  </p><p>Ich entschied mich zudem für die konsequente Wahl zwischen zwei Filmsimulationen: einem jeweils manuell angepassten <em>Acros</em>- (Schwarz-Weiß) und einem <em>Classic-Chrome</em>-Rezept – je nachdem, ob das Motiv von Farbe profitierte oder nicht.</p></p><p><img src="https://ivo.berlin/media/pages/fotografie/london-2026/fb716507bb-1777490079/2002604_london_street_ivog0935_copyright_ivo_gabrowitsch_coal_drops_yard-800x.jpg"/></p></p>]]></content:encoded>
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      <title>Berlin: Alt-Kölln</title>
      <description><![CDATA[Berlin: Alt-Kölln]]></description>
      <pubDate>Thu, 12 Feb 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
      <link>https://ivo.berlin/fotografie/berlin-alt-koelln</link>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><p>Eines kühlen verregneten Donnerstagabends zog es mich in die historische Mitte der Hauptstadt, zwischen Fischerinsel und Alexanderplatz. Während die Jacke immer schwerer wurde, war ich fasziniert vom Spiel der Farben und Reflexionen. Mein gutes altes Fujifilm-XF35mmF1.4-R-Objektiv (Ausnahme erstes Foto) leistete mir trotz fehlender Witterungsbeständigkeit hervorragende Dienste. Ich hatte derart viel Spaß, dass ich mir für die kommenden Tage weiteren Regen und Zeit wünschte – vergeblich.</p></p><p><img src="https://ivo.berlin/media/pages/fotografie/berlin-alt-koelln/79ab06a6c7-1776185419/xpr30591-800x.jpg"/></p></p>]]></content:encoded>
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    </item>
    <item>
      <title>Gefrierender Regen</title>
      <description><![CDATA[Gefrierender Regen]]></description>
      <pubDate>Mon, 26 Jan 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
      <link>https://ivo.berlin/fotografie/gefrierender-regen</link>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><p>Was für die Krankenhäuser der Hauptstadt über Tage hinweg Chaos bedeutete, war für mich ein Naturschauspiel, welches mit dem geliebten XF80mmF2.8-Macro-Objektiv im Detail festgehalten werden musste. In Kombination mit der <em>Classic-Chrome</em>-Filmsimulation von Fujifilm war ich mit der Ausbeute in weniger als einer Stunde recht zufrieden.</p></p><p><img src="https://ivo.berlin/media/pages/fotografie/gefrierender-regen/be6ade81b1-1776284869/xpr30373-800x.jpg"/></p></p>]]></content:encoded>
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    </item>
    <item>
      <title>Stortemelk 2025</title>
      <description><![CDATA[Stortemelk 2025]]></description>
      <pubDate>Mon, 25 Aug 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><p>Im August 2025 brachen wir mit einer tollen Gruppe Menschen zu einer fünftägigen Segeltour mit der ›<a href="https://www.stortemelk.com">Stortemelk</a>‹ auf. Von Rostock ging es nach einem sehr windigen Tag ins dänische Nysted, bevor wir über Burgstaaken auf Fehmarn, zurück vor die dänische Küste von Bagenkop ankernd, in Richtung Eckernförder Hafen und schließlich Kiel steuerten.</p></p><p><img src="https://ivo.berlin/media/pages/fotografie/stortemelk-2025/1ff4ff1f04-1776150223/xpr39037-800x.jpg"/></p></p>]]></content:encoded>
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      <title>Mein Bücherjahr 2024</title>
      <description><![CDATA[Mein Bücherjahr 2024]]></description>
      <pubDate>Wed, 12 Mar 2025 19:55:00 +0000</pubDate>
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      <content:encoded><![CDATA[<p><p><body>
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        <h1>Mein Bücherjahr 2024</h1>
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    <p>Einer aktuellen Studie zufolge sind 18–24-Jährige im Schnitt 3 Stunden und 19 Minuten am Tag in den sozialen Netzwerken unterwegs. Vom Tag bleibt neben Ausbildung, Studium oder Arbeit dann nicht mehr viel. Auch ich vergeude noch immer zu viel Zeit in diesen Aufmerksamkeitsfallen, Tendenz immerhin sinkend (wobei dies auch eines empirischen Belegs bedürfte). Ein gutes Buch setzt sicher nicht so viel und so kontinuierlich Dopamin frei, hinterlässt jedoch bleibenderen Eindruck als jedes YouTube-Video oder jede Instagram-Story. Welche dies im vergangenen Jahr bei mir geschafft haben (und welche nicht), verrate ich hier.</p>
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        <h2>Top</h2>
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<ul><li><strong>Louis-Ferdinand C&eacute;line &bdquo;<a href="https://www.rowohlt.de/buch/louis-ferdinand-celine-krieg-9783498003562" rel="noreferrer">Krieg</a>&ldquo;</strong> — Mein Buch des Jahres ist ein eindrücklicher Beleg für die Brutalität, Widerlichkeit und Drastik von Kriegen und dafür, wie klug und berührend Literatur diese Grausamkeiten darzustellen vermag.</li><li><strong>Benjam&iacute;n Labatut &bdquo;<a href="https://www.suhrkamp.de/benjamin-labatut-maniac-s-1485" rel="noreferrer">Maniac</a>&ldquo;</strong> — Die Geschichte der Atombombe mitreißend und in außergewöhnlicher Form verknüpft mit den jüngsten Entwicklungen künstlicher Intelligenz. Nichts für Fans von Happy-Ends.</li><li><strong>Domenico M&uuml;llensiefen &bdquo;<a href="https://kanon-verlag.de/shop/romane/domenico-muellensiefen-aus-unseren-feuern/" rel="noreferrer">Aus unseren Feuern</a>&ldquo;</strong> – Die verschiedenen Geschichten und Zeitebenen entwickeln auch Dank tiefgehender Hauptfiguren, die mir teilweise aus eigener Erfahrung vertraut sind, einen starken Sog. Bonuspunkte gibt es für auf eigenwillige Art starke Frauenfiguren.</li><li><strong>Bernhard Schlink &bdquo;<a href="https://www.diogenes.ch/leser/titel/bernhard-schlink/das-spaete-leben-9783257072716.html" rel="noreferrer">Das sp&auml;te Leben</a>&ldquo;</strong> — Ein schönes, ein trauriges, ein Buch über den Wert und die Mühen der Liebe, welches im Verlauf immer intensiver wird.</li><li><strong>Oliver Burkeman &bdquo;<a href="https://www.piper.de/buecher/4000-wochen-isbn-978-3-492-05816-2" rel="noreferrer">4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz f&uuml;r Zeitmanagement</a>&ldquo;</strong> – Wie viel Zeit bleibt uns? Und warum sollte uns die Antwort auf diese Frage nicht stressen? Zwar hätte man den Inhalt dieses philosophischen Augenöffners auf die Hälfte eindampfen können, aber es ändert nichts am inspirierenden neuen Blick auf die Welt. Ich habe es schon weiterverschenkt, das ist immer ein gutes Zeichen.</li><li><strong>Oscar Wilde &bdquo;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Bildnis_des_Dorian_Gray" rel="noreferrer">Das Bildnis des Dorian Gray</a>&ldquo;</strong> – Der Nimbus des Klassikers trägt sicher zur andauernden Faszination des Buches bei. Den Status hat es sich aber verdient und dabei wenig von seiner Aktualität eingebüßt.</li><li><strong>Helga Schubert &bdquo;<a href="https://buechergilde-hamburg.de/buecher/vom-aufstehen/" rel="noreferrer">Vom Aufstehen</a>&ldquo;</strong> — Es wirkt ein wenig, als hätte die Autorin gesammelte Fragmente kurzer Geschichten zu einer belletristischen Collage zusammengetragen. Wenn dabei derart große, zugleich unaufdringliche Literatur entsteht, erscheint mir dies eine nachahmenswerte Strategie zu sein.</li><li><strong>Katja Hoyer &bdquo;<a href="https://hoffmann-und-campe.de/products/63884-diesseits-der-mauer" rel="noreferrer">Diesseits der Mauer &ndash; Eine neue Geschichte der DDR 1949&ndash;1990</a>&ldquo;</strong> — Ganz einfach das inhaltlich und literarisch beste Buch zur Geschichte meines Geburtslandes, welches ich bislang gelesen habe. Interessant sind vor allem die Anfänge des sozialistischen Staates.</li><li><strong>Volker Ullrich &bdquo;<a href="https://www.chbeck.de/acht-tage-mai/product/30151472" rel="noreferrer">Acht Tage im Mai &ndash; Die letzte Woche des Dritten Reiches</a>&ldquo;</strong> — Über die fürchterlichste Episode der deutschen Geschichte kann man nicht genug lesen. Mit dem Suizid Hitlers war der Krieg eben noch nicht zu Ende. Hochdramatisch schildert der Autor die Tage danach. Allein der Rückblick auf diesen kurzen Zeitraum genügt, vermeintlichen politischen Alternativen die Daseinsberechtigung abzusprechen.</li></ul>
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        <h2>Okay</h2>
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<ul><li><strong>Isaac Asimov „</strong><a href="http://www.everymanslibrary.co.uk/all-author.aspx?letter=A&amp;search=&amp;firstname=Isaac%20&amp;surname=Asimov"><strong>Foundation Trilogy</strong></a><strong>“</strong> – Die Aufmachung des Buches aus der Everyman’s Library hat mir sehr gefallen. Den vielen Zeitebenen und damit unzähligen Personen, die auftauchen und wieder verschwinden, kann man vielleicht in seiner Muttersprache besser folgen. So war es eine Herausforderung, die jedoch durch ihre teilweise tagesaktuellen Bezüge ihren Reiz hat.</li><li><strong>Andrea Hanna Hünniger „Das Paradies: Meine Jugend nach der Mauer“</strong> – Gelesen, für okay befunden und schnell wieder vergessen. Ich weiß nicht mal mehr, was ich dazu schreiben soll.</li><li><strong>Frank Bösch „</strong><a href="https://www.chbeck.de/boesch-zeitenwende-1979/product/26071725"><strong>Zeitenwende 1979 – Als die Welt von heute begann</strong></a><strong>“</strong> – Dass gerade dieses Jahr eine Zeitenwende eingeleitet haben sollte, interessierte mich. Die Erwartungshaltung wurde jedoch nur teilweise bestätigt, z.B. wenn es um den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan geht.</li></ul>
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        <h2>Flop</h2>
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<ul><li><strong>Thomas Mann „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberberg"><strong>Der Zauberberg</strong></a><strong>“</strong> – Vielen gilt dieser Roman als der beste, den die deutsche Sprache hervorgebracht hat. Sicher, sprachlich ist der Zauberberg über jeden Zweifel erhaben. Ich habe jedoch nach rund 200 Seiten aufgegeben. Ich glaube, das Buch im Kern schon verstanden zu haben, aber für weitere 800 Seiten dramaturgisches Geplätscher fehlt mir in der hektischen Gegenwart einfach die Zeit … oder die Muße.</li><li><strong>Max Frisch „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Frisch"><strong>Stiller</strong></a><strong>“</strong> – Auch bei diesem Klassiker ergeht es mir ähnlich. Ist Mister White nun Stiller und damit schuldig oder nicht? Es wird einem schnell egal.</li><li><strong>Saša Stanišić „</strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/sa%C5%A1a-stani%C5%A1i%C4%87-moechte-die-witwe-angesprochen-werden-platziert-si/buch/9783630877686"><strong>Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne</strong></a><strong>“</strong> – Ich mochte Stanišić’s „Vor dem Fest“, aber beim neuesten Roman komme ich einfach nicht rein, trotz des famosen Titels.</li><li><strong>Rick Rubin „The Creative Act – A Way of Being“</strong> – Davon abgesehen, dass mich Weißraum noch nie so angestrengt, nein, genervt hat wie in diesem Buch, weiß ich noch immer nicht, was mir dieser von Vielen hochgelobte Schmöker mitgeben wollte. Rick Rubin ist eine Musiklegende, The Creative Act hat in großen Teilen die selbe Wirkung wie ein seichter Popsong.</li></ul>
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      <title>Mein Bücherjahr 2023</title>
      <description><![CDATA[Mein Bücherjahr 2023]]></description>
      <pubDate>Fri, 12 Apr 2024 19:50:00 +0000</pubDate>
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        <h1>Mein Bücherjahr 2023</h1>
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    <p>Im letzten Jahr habe ich so viele Bücher gelesen wie nie zuvor. Wieso? Weiterhin keine Streaming-Abos, noch weniger TV und eine strenge Social-Media-Diät. Naja, und irgendwie auch eine <em>(hüstel)</em> altersbedingte Reife und damit einhergehendes besseres Gefühl für den im Vergleich dazu höheren Wert von Literatur. Da man Leidenschaften und Erkenntnisse gern teilt, stelle ich diejenigen Bücher vor, die mich 2023 auf die eine oder andere Art berührt haben.</p>
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        <h2>Top</h2>
    </div>        </section>
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<ul><li><strong>Dirk Oschmann „</strong><a href="https://www.ullstein.de/werke/der-osten-eine-westdeutsche-erfindung/hardcover/9783550202346"><strong>Der Osten: eine westdeutsche Erfindung</strong></a><strong>“</strong> — Seltsam, dass es nach der friedlichen Revolution noch über 30 Jahre brauchte, bis sich die ostdeutsche Wut in einer solch an- un erregenden Form Bahn bricht. Die Fakten sind hinlänglich bekannt. So ist beispielsweise nur 1 von 33 Staatssekretärinnen und -sekretären ostdeutsch und nur 60 Prozent der Ministerposten zwischen Rügen und Thüringer Wald sind von Ostdeutschen besetzt ist (und damit sogar stark rückläufig). Bundesweit liegt ihr Anteil bei den Spitzenpositionen von Politik, Wirtschaft, Justiz oder Universitäten laut einer Studie der Uni Leipzig bei jämmerlichen 3,5 Prozent. Im Osten selbst sind es 26 Prozent. Damit hat diese Ungerechtigkeit bereits bald ähnlich lange Bestand wie die DDR selbst. Die von Prof. Dr. Dirk Oschmann in das Thema gebrachte Schärfe ist also überfällig, da Fakten allein bewiesenermaßen nichts ändern. Das Buch – mein Highlight des Jahres – will aber vor allem einen Beitrag zum Erhalt der Demokratie leisten, die augenscheinlich unter Beschuss steht. Wem daran gelegen ist, sollte dieses Buch gelesen haben.</li><li><strong>Ingo Schulze „</strong><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/ingo-schulze-die-rechtschaffenen-moerder-9783103900019"><strong>Die rechtschaffenen Mörder</strong></a><strong>“</strong> — Binge-Lesen – das geschieht mir nicht oft. Aber diese 320 Seiten hatte ich am Ende eines Wochenendes verschlungen. Ein Wendeverlierer, der sich gegen jenes Schicksal der Niederlage stemmt, dabei den Blinker rechts setzt und am Ende tot ist. Erzählt wird aus drei Perspektiven, nach der letzten Seite bleiben Fragen, die nachhallen. Ganz stark!</li><li><strong>Hermann Hesse „</strong><a href="https://www.suhrkamp.de/buch/hermann-hesse-siddhartha-t-9783518012277"><strong>Siddharta</strong></a><strong>“</strong> – Nach vielen Jahren erneut gelesen, hat es nichts von seinem legendären Zauber verloren. Unter der modernen Flut von Ratgebern für ein glückliches und erfülltes Leben ist Hesses Roman vielleicht der einzige, den man wirklich lesen braucht.</li><li><strong>Wolfgang Engler, Jana Hensel „</strong><a href="https://www.aufbau-verlage.de/ch-links-verlag/wer-wir-sind/978-3-96289-227-2"><strong>Wer wir sind – Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein</strong></a><strong>“</strong> — Spätestens hier lässt sich mein momentanes Interessen-Muster erkennen und in der Tat, das Oschmannsche Thema beschäftigt mich seit einer ganzen Weile. Auch dieses Buch belehrt nicht, sondern legt in Form einer Diskussion zwischen beiden Autoren die unterschiedlichen Erfahrungen dar und zeigt, wie individuell unterschiedlich die Identitäten jenseits des Elms und Bayrischen Waldes sind.</li><li><strong>Alexander Puschkin „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Hauptmannstochter"><strong>Die Hauptmannstochter</strong></a><strong>“</strong> – Der russische Nationaldichter erzählt in diesem historischen Roman eine abenteuerliche Geschichte, die trotz ihres Alters zu keiner Zeit langweilig wird. Wie auch in anderen Erzählungen Puschkins kann man sich zudem wunderbar mit der an sich faszinierenden russischen Seele auseinandersetzen, unabhängig von aktuellen weltpolitischen Umständen.</li><li><strong>Alexander Osang „</strong><a href="https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/fast-hell/978-3-7466-3973-4"><strong>Fast hell</strong></a><strong>“</strong> – Der viel bemühte Ausdruck pures Lesevergnügen, trifft es ganz gut, wie Osang sich hier am verrückten Schicksal und der Geschichte eines Berliners in New York, im Kontext der jüngeren deutschen Geschichte abarbeitet.</li><li><strong>Ernest Hemingway „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_alte_Mann_und_das_Meer"><strong>Der alte Mann und das Meer</strong></a><strong>“</strong> — Einer meiner derzeitigen Vorsätze ist die Beschäftigung mit Klassikern. Als Einstieg bietet die bekannte Novelle von Hemingway die ideale Länge, lässt sie sich doch in wenigen Stunden lesen (mir genügte ein längerer Saunabesuch). Sie bietet eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten und hat auch nach über 70 Jahren ihren Reiz nicht verloren.</li></ul>
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        <h2>Flop</h2>
    </div>        </section>
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<ul><li><strong>Moritz von Uslar „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_von_Uslar"><strong>Deutschboden</strong></a><strong>“</strong> – Ich habe mich lange über dieses Buch geärgert. Es ist das Buch eines Westdeutschen, welches Interesse am Osten simuliert, in Wahrheit aber auf der Suche nach Bestätigung eigener Vorurteile ist. Ein mehrmonatiges Leben unter Einheimischen im brandenburgischen Dschungel, Interesse heuchelnd und auf Distanz bedacht, wann immer nur der kleinste Anflug von (zu Recht zu verabscheuenden) rechtem Gedankengut aufzukommen scheint. An mehreren Stellen entlarven sich Autor und Verlag selbst, wenn sie beispielsweise Orts- oder Vereinsnamen falsch schreiben. Ehrliches Interesse an den Wilden da drüben sieht anders aus.</li><li><strong>Seneca „</strong><a href="https://www.penguin.de/Buch/Von-der-Seelenruhe-Vom-gluecklichen-Leben/Seneca/Anaconda-Verlag/e578849.rhd"><strong>Von der Seelenruhe/Vom glücklichen Leben</strong></a><strong>“</strong> – Mehrmals im – ebenfalls zu Unrecht gehypten – Buch „<a href="https://tribeofmentors.com/">Tribe of Mentors</a>“ von Tim Ferris empfohlen, hatte ich große Erwartungen. Die wurden jedoch in keinster Weise erfüllt. Vielleicht muss man amerikanisch sozialisiert worden sein, um dieses Buch dem mittlerweile zigfach moderner und mitreißender zur Verfügung stehenden philosophischen Schriften zum Lebensglück vorziehen zu wollen.</li><li><strong>Ernest Hemingway „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sturmfluten_des_Fr%C3%BChlings"><strong>Sturmfluten des Frühlings</strong></a><strong>“</strong> – Im Nachhinein habe ich gelesen, dass Hemingway dieses Buch geschrieben hat, um aus seinem Vertrag mit seinem Verlag herauszukommen. Das sagt schon alles. Schade ums Papier.</li></ul>
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    <p>Einige weitere Bücher haben mich weder richtig überzeugt, noch würde ich sie als Zeitverschwendung abtun. Darunter Ivo Andrić „Das Fräulein“, André Gide „Sämtliche Erzählungen“, Stanisław Lem „Sterntagebücher“, Stephan Hermlin „Der Leutnant Yorck von Wartenburg“ und Hermann Hesse „Peter Camenzind“, „Unterm Rad“, „Gertrud“, „Knulp“ und „Klingsors letzter Sommer“, wobei seine Bücher ohne Zweifel wunderbar geschrieben sind, aber am Ende ist mir das meist zu aussichts- oder hoffnungslos. Das kann man einmal lesen (vielleicht am ehesten „Unterm Rad“ oder „Knulp“), aber sich Hesses Gesamtwerk zu genehmigen, muss eigentlich nicht sein.</p>
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</p></p>]]></content:encoded>
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